In diesem Beitrag geht es um die 5 größten Probleme, auf die Sie als Kunde von Burnout-Prophylaxe-Trainings treffen und wie Sie sie lösen können. Ich bin Peter Flühr und biete selbst Resilienz-Trainings an und verdiene damit mein Geld. Und auch ich kämpfe mit den Problemen, die in persönlichkeitsorientierten Seminaren auftauchen. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ein solches Training bei Ihnen als Kunde etwas Gutes bewirkt. Manchmal verschlimmert ein gutgemeintes Seminarangebot sogar Ihr Leid. Auch meine Art von Seminaren, sind nicht für jeden geeignet.
Hier in diesem Beitrag werde ich so ehrlich und objektiv, wie es mir möglich ist, die 5 größten Seminarprobleme schildern und entsprechende Lösungsansätze vorstellen, mit denen sich diese Gefahren umschiffen lassen. Los geht’s!
Problem Nummer 1: Charisma-Rausch
Stahlblaue Augen, charismatischer Auftritt, Begeisterung. Viele Trainer und Trainerinnen haben eine ausgeprägte Bühnenpräsenz, sind mitreißend, witzig und rhetorisch versiert. Das ist an sich noch kein Problem, doch sollten diese Charakteristika von so etwas wie Ruhe, Klarheit, Empathie und Realitätssinn ergänzt werden, sonst stehen Sie im Anschluss des Trainings allein zuhause und wundern sich, warum der Resilienz-Funke nicht in Ihr echtes Leben überspringen will. Was können Sie dagegen tun. Schildern Sie also im Training Ihren Alltag, Ihre Hürden und Ihre Rahmenbedingungen und suchen Sie mit dem Trainer und den anderen Seminarteilnehmern nach Lösungen, die zu Ihnen passen, und sich von Ihnen umsetzen lassen, auch ohne, dass jemand in Ihrer Wohnung steht und Sie dauernd charismatisch anstrahlt.
Problem Nummer 2: Transferverpuffung
Die positiven Effekte im Trainings verpuffen nach wenigen Tagen. Ihre Vorsätze, sich mehr Pausen zu gönnen, sich mehr zu bewegen und das Berufsleben gelassener zu meistern, zerschellen an der Realität Ihres Lebens. Mehr als 80 % des Tages bestehen aus Routinen, die ganz automatisch ablaufen, über die wir gar nicht nachdenken. Der Job und das Familienleben laufen nach wie vor in den gewohnten Bahnen, denn unsere Mitmenschen waren nicht mit im Resilienzseminar und boykottieren deshalb unbewusst unsere Vorhaben. Was also tun? Langfristige Erfolge erzielen Sie vor allem dann, wenn Sie sich schon im Training die Zeit genommen, sogenannte Mikro-Maßnahmen zu entwickeln und nach einem Ort und Zeitpunkt suchen, wo Sie diese trotz der knappen Zeitressourcen platzieren können. B.J.Fogg mit seinen ‚Tiny Habits‘ und James Cleas mit den ‚Atomic Habits‘ nähern sich dem Problem ‚Verpuffung von Seminareffekten‘, auf pragmatische Weise. Sie zeigen an praktischen Beispielen in ihrem Büchern, wie Sie winzige, aber smarte Transfervorhaben so bauen, dass sie wirklich in Ihrem Leben Einzug halten. Das kann zum Beispiel ein 3-Minuten-Spaziergang pro Tag sein, der aber durch seine Realisierbarkeit im Gegensatz zum dem ‚Ich-gehe-dreimal-in-der-Woche-eine-Stunde-Fitness-Studiobesuch‘ wirklich stattfindet.
Problem Nummer 3: Psychogeschwafel, Esoterik, unausgegorene, zusammengestöpselte Theorien.
Häufig treffen die Kunden von Seminaren auf realitätsferne Denkmodelle und unterkomplexe Persönlichkeitsmodelle, die als Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen dienen sollen. Da werden Sie dann genau einem Farbtypen (rot, grün, gelb und blau) zugeordnet und erhalten entsprechende Empfehlungen für den Alltag. Doch diese Standardtipps funktionieren selten. Auf was können Sie also im Vorfeld bei der Auswahl eines Trainings achten? Finden Sie heraus, auf welcher Basis, der Trainer, sein Seminar konzeptionell aufbaut hat. Was hat er gelernt, studiert, wie bodenständig und pragmatisch tritt er auf. Das Internet oder ein Telefongespräch können hier wertvolle Orientierung bieten. Stellen Sie zum Beispiel im persönlichen Gespräch die Frage „An was scheitern Sie als Resilienzexperte trotz Ihres Wissens im Alltag immer noch?“ Kommt da nichts Substantielles, würde ich vorsichtig werden. Denn echt Erleuchtete trifft man selten!
Problem Nummer 4: Adrenalinkicks
Im Seminar muss man sich nackt machen, tief in das eigene, dunkle Seelenleben eintauchen, über den eigenen Schatten springen, laut schreien und sich gegenseitig anfassen. Es gibt Veranstaltungsanbieter, die gezielt solche Grenzerfahrungen in den Trainingsprozess einbauen und auf diese Weise große Emotionen provozieren. Die Idee dahinter ist meist die, dass sich dadurch die bisher unbekannte Seiten Ihrer Persönlichkeit zeigen und Sie dann im Anschluss mit diesen Erfahrungen beziehungsweise Ressourcen im Seminar weiterarbeiten können. Die Grundannahme ist: Ohne die großen Gefühle ist das nicht möglich. Und natürlich spielt auch eine Rolle, dass auf diese Weise der Seminaranbieter dem Vorwurf entgeht, hier würde nichts Besonderes passieren und das Ganze sei nicht das Geld wert. Was also tun, um das Spektakuläre zu umschiffen? Gegen große Emotionen spricht aus meiner Sicht nichts. Nur das Müssen, Verpflichten und das Unterdrucksetzen, finde ich moralisch bedenklich. Ein stilles, reflexives und respektvolles Seminar kann langfristig viel wirksamer für Sie sein als eine Hochdruckveranstaltung mit diversen Adrenalinkicks. Stellen Sie dem Veranstalter im Vorfeld zu dessen Haltung und auch zu den Spielregeln im Seminar Fragen. Beides, dessen Haltung und die Spielregeln sollten schon davor klar und transparent sein.
Problem Nummer 5: Gruppendruck, geschlossene Gesellschaft, verbaute Fluchtwege
„Was ist, wenn ich in dem Seminar merke, das ist einfach nicht das Richtige für mich. Ich möchte hier raus?“ Dann gehen Sie! Sie sind ein erwachsener Mensch und können jederzeit entscheiden, was Sie machen und was nicht. Ein Training in einer Gruppe ist eine intensive Erfahrung. Da sind Menschen, die ganz anders ticken als Sie, ein Trainer, mit dem Sie zusammenarbeiten, ein Raum, in dem Sie viele Stunden gemeinsam verbringen, Erlebnisse und Geschichten von anderen, die teils schwer zu verdauen sind, Ihre eigenen Sorgen und und und. Das alles kann extrem hilfreich und eben auch destruktiv auf Sie wirken. Sich selbst angemessen gegenüber äußeren und inneren Zumutungen zu schützen, ist meines Erachtens das Wichtigste, was sich auf einem Resilienzseminar lernen lässt. Deswegen wäre es absurd, sich auf einer Veranstaltung gegen die eigene Intuition durch das komplette Training zu quälen.
Zusammenfassen lässt sich der Beitrag so:
Wenn Sie diese 5 Probleme - Charisma-Rausch, Transferverpuffung, Psychogeschwafel, Grenzerfahrungen und Fluchtwege - gezielt abfragen und gegebenenfalls umschiffen, dann kann ein Burnout-Prophylaxe-Training Ihre Gesundheit und Lebensfreude enorm steigern. Ich wünsche Ihnen beim Durchsuchen und Bewerten der Angebote im Internet viel Freude und hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Kriterien einen brauchbaren Orientierungsrahmen für Ihre Entscheidung geben.
Mit Grüßen aus dem Ring des Alltags
Peter Flühr