Wenn Sie in Betracht ziehen, ein Burnout-Prophylaxe-Seminar zu buchen, weil Sie öfter erschöpft und frustriert sind, als Ihnen das lieb ist, dann weiß ich, dass Sie Fragen haben! Vielleicht sogar solche Bedenken. „Habe ich einen Burnout?“ „Ist ein Seminar für mich das Richtige für mich oder etwas anderes?“
In diesem Blog möchte ich auf Ihre Fragen eingehen. Ich möchte, dass Sie im Anschluss wissen, was ein Burnout ist, welche 4 Burnout-Stufen es gibt, und auf welcher Stufe Sie sich aktuell befinden. Das ist deshalb wichtig, weil je nach Burnout-Intensität können ganz unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll für Sie sein. Die aus meiner Sicht besten Handlungsmöglichkeiten stelle ich Ihnen hier vor.
Die wichtigsten Informationen
Meine Absicht ist es, Sie so gut zu informieren, dass Sie im Anschluss eine gute Entscheidung treffen können. Also Orientierung gewinnen bezogen auf die Frage „Ist ein Burnout-Präventions-Seminar das Richtige für mich, oder ist es besser, wenn ich – um mal die komplette Spannbreite Ihrer Möglichkeiten aufzuzeigen – angefangen bei sehr niederschwellig – mir lediglich ein entspannendes Hobby suche oder ein Buch zum Thema ‚Burnoutprophylaxe‘ lese oder sollten Sie sich – um eine umfassendere Maßnahme zu nennen - für einen Klinikaufenthalt entscheiden?“
Los geht’s mit einer kurzen Beschreibung des Phänomens ‚Ausbrennen!
Sie bewegen sich dann in Richtung eines ernsten Burnouts, wenn Sie sich in der Arbeit immer öfter emotional erschöpft fühlen, an gar nichts mehr Freude haben und Ihre Leistung trotz steigender Anstrengung nachlässt. Das ist auch ganz wichtig, sich biologische beziehungsweise biochemische Ursachen für Ihre persönliche Veränderung ausschließen lassen. Letzteres können Sie ärztlich abklären lassen.
Um wirklich Klarheit zu gewinnen, wo Sie gesundheitlich stehen, brauchen Sie jedoch eine etwas breitere Orientierungsgrundlage – auf der Sie sich leicht zurechtfinden können. Die besten Erfahrungen habe ich mit dem Modell der Burnoutuhr gemacht. Deshalb stelle ich Ihnen die sogenannte Ausbrenn-Uhr jetzt kurz vor. Sie zeigt Ihnen die verschiedenen Phasen auf, durch die Sie als betroffene Personen gehen, bevor ihnen die Kräfte komplett schwinden. Jede Stunde auf dieser Uhr repräsentiert dabei eine körperliche, seelische, mentale Verfassungsänderung. Der Einfachheit halber beschreibe ich aber nicht alle 12 Stunden, sondern die vier großen Quadranten mit jeweils 3 Stunden:
Quadrant Nummer eins ist die Zeit zwischen 1 und 3 Uhr:
Dieser Zeitraum nennt sich auch die Phase der Begeisterung. Hier sind Sie extrem motiviert, engagiert und setzen hohe Maßstäbe für sich selbst, überlasten sich allerdings ständig, ignorieren eigene Bedürfnisse und reduzieren immer mehr Ihre sozialen Kontakte. Befinden Sie sich im ersten Quadranten der Begeisterung, können ein Selbsthilfe-Ratgeber in Form eines Buches oder Hören von entsprechenden Selbstmanagement- Podcasts oder Gespräche mit Freunden reichen, um wieder zu einem gesunden Maß an Regeneration zurückzufinden. Wenn Sie aber innerlich über die dort zu findenden Selfcare-Tipps nur lächeln können und das als Weicheier-Gedöns für Minderleister abtun, dann werden Sie vermutlich nach kurzer Zeit im 2. Quadranten landen.
Quadrant Nummer 2 ist die Zeit zwischen 4 und 6 Uhr:
Diese Phase nennen die Experten, die der Stagnation. Hier dominiert die Arbeit Ihr komplettes Leben, Sie kommen allerdings trotzdem kaum voran. Sie fangen an, ernste private und berufliche Beziehungsprobleme zu leugnen, Sie tun alle Spannungen als Pillepalle bzw. als nichtig ab, Sie beginnen emotional ernsthaft erschöpft zu sein, verdrängen elementare Bedürfnisse – wie zum Bespiel ‚Ausspannen‘ und reagieren nicht mehr auf kritisches Feedback aus Ihrem persönlichen Umfeld. Befinden Sie sich im 2. Quadranten, dann kann ein Ausbrenn-Präventions-Seminar genau das Richtige für Sie sein. Denn durch den geschützten Rahmen, zeitlich und räumlich, haben Sie die Möglichkeit, eine präzise und ehrliche Standortbestimmung durchzuführen. Gerade die Gleichgesinnten im Training machen es Ihnen leicht, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Hier treffen sich meist Perfektionisten und oft fällt es Ihnen hier leicht, nämlich bei anderen den Wahnsinn Ihres Verhaltens zu erkennen, bzw. die gesundheitlichen und sozialen Risiken eines Dauerleistungsanspruchs zu hinterfragen, viel leichter als das uns selbst fällt. Sind Sie also im 2. Quadranten auf der Burnoutuhr angelangt, dann kann ich Ihnen auch ein Seminar empfehlen. Es sei denn, Sie fühlen sich in Gruppen extrem unwohl. Dann kann ein Coaching unter vier Augen die bessere Wahl sein. Auf die kollegiale Inspiration müssen Sie hier allerdings verzichten. Ignorieren Sie auch dieses Erschöpfungsstadium, dann landen Sie im 3. Quadranten.
Quadrant Nummer 3, das ist die Zeit zwischen 7 und 9 Uhr:
Wir sprechen von der Phase der Frustration. Sie geht einher mit deutlichen Veränderungen in Ihrem Verhalten, wie Gereiztheit, Zynismus oder Aggressivität und wird für Außenstehende nun deutlich sichtbar. Sie entfremden sich in diesem Stadium von der eigentlich geliebten Arbeit und den Menschen in ihrem Umfeld. Es entsteht eine immer größere Distanz zwischen Ihnen und der Welt da draußen. Befinden Sie sich im dritten Quadranten, dann kann ein mehrtägiges Seminar eine Weckruffunktion haben, aber Ihnen eventuell zu wenig Zeit und Führung bieten, um den Schalter hin zu einer gesunden Belastungssteuerung wirklich umzulegen. Für manche Menschen reicht die Seminarauszeit aus, um sich darüber klar zu werden, dass hier echte Einstellungs- und Verhaltensänderungen notwendig sind. Ist das der Fall, dann treffen sie im Seminar Entscheidungen und entwickeln erste konkrete Maßnahmen, um wieder zu sich selbst und den eigenen Kräften zu finden. Für andere Menschen, die sich deutlich mehr Anleitung und Unterstützung wünschen, ist das im Rahmen eines Seminars nicht möglich. Genau diese Personen sollten sich eine psychotherapeutische Unterstützung über einen längeren Zeitraum suchen. Wer sich auch in dieser 3. Phase noch wie ferngesteuert von seinem krankhaften Ehrgeiz treiben lässt, ohne konsequent einzugreifen, landet irgendwann im vierten Quadranten.
Quadrant Nummer 4, das ist die Zeit zwischen 10 und 12 Uhr:
Dieser Zeitraum nennt sich Resignation. Hier macht sich ein Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit breit. Sie sind tiefgreifend erschöpft und depressiv. Damit geht Ihnen die Fähigkeit verloren, Freude zu empfinden. Zum Schluss findet dann ein völliger Zusammenbruch (sei es körperlich und/oder emotional) statt. Spätestens hier wird es richtig gefährlich. Suizidgedanken tauchen auf. Bei der Schilderung der Symptome dieses Quadranten wird Ihnen vermutlich klar, hier kann ein Ausbrenn-Präventions-Training bestenfalls zu der Erkenntnis führen, dass Sie sich gegebenenfalls für ein ambulantes oder stationäres Angebot über mehrere Wochen entscheiden sollten. Denn alles andere, sei es Buch, Podcast oder Seminar ist in dieser tieferschöpften Verfassung zu kurz gegriffen. Inzwischen haben glücklicherweise viele Prominente - wie zum Beispiel Kurt Krömer - über die heilende Wirkung eines Klinikaufenthaltes in einer solchen Lebenslage berichtet.
Wir sind nun gemeinsam durch die vier Quadranten der Burnout-Uhr gewandert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, befinden Sie sich im ersten Quadranten, also dem Zustand der Noch-Begeisterung, dann können ein neues fesselndes Hobby, sei es ein Selbsthilfe-Ratgeber oder erfüllende Gespräche mit Freunden reichen, um Sie wieder zu einem gesunden Maß an Regeneration zurückfinden zu lassen. Auch ein Burnout-Präventions-Seminar würde hier seinem Namen tatsächlich gerecht werden.
Befinden Sie sich im 2. Quadranten, also dem der Stagnation, dann ist ein Ausbrenn-Präventions-Seminar ziemlich sicher genau das Richtige für Sie. Denn Sie haben einerseits schon genügend Leidensdruck, um die Energie und Motivation für eine echte Veränderung aufzubringen, sind aber gleichzeitig noch nicht so tief im Erschöpfungsstrudel, sodass Sie noch über genügend Energie verfügen, um die nötigen Schritte in Richtung einer gesünderen Lebensführung zu gehen.
Befinden Sie sich im dritten Quadranten, dem der Frustration, dann kann ein mehrtägiges Seminar eine wertvolle Weckruffunktion haben, aber Ihnen auch eventuell zu wenig Zeit und Unterstützung bieten, um den Hebel wirklich umzulegen. Das heißt, Sie werden im Anschluss noch weitere Angebote brauchen, um im Alltag wirklich aus dem intensiven Erschöpfungsstrudel heraus zu finden.
Befinden Sie sich im vierten Quadranten, dann rate ich Ihnen von einem Training ab. Sparen Sie sich die Zeit und das Geld. Hier kann ein Seminar bestenfalls zu der Erkenntnis führen, dass Sie sich im Anschluss für ein ambulantes oder stationäres Angebot über mehrere Wochen entscheiden.
Machen Sie den BMI von Christina Maslach.
Da ich hier im Blog die mentalen und emotionalen Zustände nur kurz skizziert habe, ist es sinnvoll, den seit Jahrzehnten bewährten MBI-Burnouttest von Christina Maslach zu machen. Er dauert nur 2 Minuten. Sie finden den Link zu diesem Onlinetest mit entsprechender Auswertung im hinterlegten Link.
Mir hat das Modell der Ausbrenn-Uhr, die ich inzwischen ganz selbstverständlich im Alltag wie eine Tankstandanzeige nutze, immer wieder gute Dienste geleistet, um mein Leben engagiert aber eben nicht überengagiert zu gestalten. Nicht alles können wir kontrollieren, doch mit dem richtigen Instrumentarium wie zum Beispiel dieser Uhr, lassen sich ernsthafte Pannen ziemlich gut reduzieren. Gerade dann, wenn wir uns beherzt für eine der im Blog genannten Möglichkeiten entscheiden.
Sollten Sie sich im vierten Quadranten auf 12 Uhr befinden und mit Suizidgedanken spielen, dann wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine entsprechende Hotline. Ein Weg gegen den Uhrzeigersinn in ein erfülltes Leben ist mit professioneller Unterstützung immer möglich.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Bestimmen Ihres aktuellen Standorts und beim 'Sich- selbst-gesund-führen'.
Ihr Peter Flühr